(Vorbemerkung) Um Mißverständnissen bei der Lektüre dieses Essays vorzubeugen: Dieser Essay formuliert nichts anderes, als daß es ‘absolut’ determinierte, instinktive Bewegungsabläufe – hier: bei Hecht und Mensch – gibt. Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie spielen noch einmal „Räuber und Gendarm“. Als rechtshändiger ‘Gendarm’ werden Sie auf offenem Gelände (kurz vor Erreichen des Räubers) leicht links versetzt hinter dem ‘Räuber’ herlaufen, um diesen bequem mit der rechten Hand ‘abschlagen’ zu können*** (der 'Gendarm' vollzieht in dieser links-rechts Bewegung gewissermaßen einen gedehnten, rechts offenen Bogen; s. Essay und Skizze 1b); nur wenn der Räuber’ links an (z.B.) einer Häuserwand entlang läuft, werden Sie diesen rechts leicht umlaufen müssen, um diesen rechtshändig ‘abschlagen’ zu können oder Sie sind hier gezwungen – gleichsam ‘un-natürlich’ – die linke Hand zu benutzen – anders formuliert: nur wenn der 'räumliche Kontext' (Hindernis, etc.) den 'primär-dominanten' Bewegungsablauf nicht zuläßt, so wird dieser durch einen 'sekundären, weniger natürlichen' ersetzt. (Vergleichbar vollziehen sich die Bewegungsabläufe beim Hecht und allen anderen instinktiv operierenden Lebewesen; bezogen auf unser vorab geschildertes Beispiel sind allerdings die Beutejäger nicht der 'Beute-Räuber', sondern der 'Gendarm-Jäger'.)
[*** Die Tatsache, daß Sie dem 'Räuber' nicht in die Fersen treten wollen – Sie könnten ja, das Jagdergebnis nicht einlösend, zu Boden stürzen – bedingt natürlich zusätzlich Ihren Bewegungsablauf.]


Der Hecht ist ein 'Rechtshänder' (HTML-Kurzfassung)
[…, Textkürzung, s. PDF-Datei]

Nun – wählen Sie einige (menschliche) Probanden und lassen Sie diese beide Hände gleichzeitig über dem Kopf zusammenführen; Sie werden feststellen, daß bei allen Rechtshändern die rechte Hand über der linken 'schwebt' – der rechte Arm ist folglich mehr gestreckt, der linke Arm nähert sich mehr dem Bild eines Bogens. Lassen Sie nun Ihre Kandidaten die vorab charakterisierte Bewegung mit dem linken und mit dem rechten Arm getrennt (!) ausführen. Soweit eine präzise und (halbwegs) reflektierte Körperwahrnehmung vorhanden ist, werden Ihnen Ihre Kandidaten bestätigen, daß der Bewegungsablauf mit dem linken Arm eleganter und damit leichter auszuführen ist als mit dem rechten. – In diesem Sinn ist der Hecht ein 'Rechtshänder', denn er faßt seine Beute immer (leicht von unten – es könnte ja ein stachelbewehrter Barsch sein) in einem rechts offenen Bogen.
Zunächst einmal "genug" des Rechtshänder-Vergleichs – die Dinge liegen viel elementarer:
Die elektrische Ladungsverteilung des Wassermoleküls und das elektromagnetische Feld der Erde machen es, daß
das Wasser auf der nördlichen Erdhalbkugel potentiell – die Betonung liegt auf "potentiell" – rechtsrotierend ist.

(Anm.: Machen Sie den Badewannen-Stöpsel-Test: Ihr Badewasser 'verläßt' die Badewanne in einem kräftigen Rechtsstrudel.)

Der Hecht nutzt diese latente Rechtsdrehung des Wassers, indem er sich 'gegen' diese Rechtsdrehung mit seinem geballten Bewegungsapparat aus Schwanz-, Rücken- und Afterflosse 'abstößt' und dann – gleichsam unterstützt und getragen von dieser potentiellen Wasserrotation – in einem rechts offenen Bogen seine Beute ergreift
(Skizze 1a und b in der PDF-Datei; - !!! - Skizze in separatem Fenster - !!! - ).

(Wichtig: Der Vergleich mit dem ‚menschlichen‘ Rechtshänder ist natürlich ganz bewußt gewählt und eröffnet ein ‚reiches‘ Assoziationsspektrum, z.B.: Umschlingt und verschlingt eine Würgeschlange ihre Beute von einer Seite? Attackiert ein Fuchs den verfolgten Hasen von einer Flankenseite? Etc., etc.)
[…, s. PDF-Datei]

Nun – stellen wir uns die Frage, ob unsere Beobachtung – der Hecht ist ein 'Rechtshänder' – Auswirkungen auf die Fischerei auf diesen Raubfisch haben könnte. Wir beantworten diese Frage mit einem eindeutigen "Ja" und geben eine knappe Anwort:

Auswirkungen auf die Fischerei
Um dem Hecht und seinem spezifischen Beißverhalten entgegen zu kommen, müssen wir unser Fischwasser 'im' Uhrzeigersinn umpirschen und 'gegen' den Uhrzeigersinn – z.B. parallel zu einer Abbruchkante in Ufernähe – befischen; der Hecht – steht er in Ufernähe – kann dann unseren Köder sofort in einem rechts offenen Halbkreis attackieren (Skizze 2 in der PDF-Datei;- !!! - Skizze in separatem Fenster - !!! - )

(Anm.: […, s. PDF-Datei]. Erwähnenswert ist sicher doch, daß wir tatsächlich nur "Sofortbisse" verzeichnen konnten, wenn wir im Uhrzeigersinn pirschten und gegen den Uhrzeigersinn fischten.)

Es rührt schon geradezu am Unheimlichen, daß eine solche angeltaktische Vorgehensweise dem rechtshändig disponierten Angler entschieden entgegen kommt.
Wenn man nicht den Vorzug genießt, im klaren Wasser sondern mehr im trüben zu fischen, so gibt es dennoch ein Kriterium, das typische Beißverhalten des Hechts dingfest zu machen: Der Haken des Köders (Streamer, Blinker, Köderfisch am System) sitzt nämlich in der linken Maulhälfte bzw. im linken Maulwinkel des Fisches (Abbildung: "Küchenhecht", Titelbild dieser Seite), es sei denn, wir verwenden einen sehr großen Köder, der mitsamt Haken auf der rechten Maulseite herausragt – dann wird der Fisch von rechts-außen gehakt sein.
[…, s. PDF-Datei]

Es versteht sich von selbst, daß wir diese Beobachtungen nur dann werden anstellen können, wenn der Hecht den Köder nicht vehement verschlingt sondern diesen in einem mehr 'sanften' Zugriff attackiert.

(Anm.: Nach unserer Erfahrung beträgt die Relation "Sanfter Zugriff" – "Gierige Attacke" etwa 9 : 1; also dürfte man in den meisten Fällen das Beißverhalten des Hechts am Sitz des Köders bzw. Angelhakens nachvollziehen können.
Wichtig: Unsere Beobachtungen beziehen sich natürlich nur auf einen in gerader Richtung gezogenen – evtl. nach oben und unten 'taumelnden' – Köder; Aquarium-Situationen, ein toter Köderfisch an der Hechtpose bzw. ein am Grund ruhender Köder sind hier nicht relevant – hier ist ein 'geradliniger' Zugriff des Hechts sicher möglich und tatsächlich gegeben.)
t
Konsequenz: Die Form des Hecht-Streamer-Hakens
[…, s. PDF-Datei]

Zwei fängige Hechtstreamer
[…, s. PDF-Datei]

Hier nun einige Sätze zum Nahrungsverhalten des Hechts:

Nahrungsverhalten des Hechts (in Salmonidengewässern mit stärkerem Weißfisch-, Kleinfisch- und Signalkrebs-Bestand)
In nahezu allen Bestimmungsbüchern wird das ewig anmutende (Vor-)Urteil transportiert, der Hecht sei ein gieriger, unersättlicher Raubfisch, der jedwede, noch gerade eben bewältigbare Nahrung verschlingt und wegen der "schmackhaften" Beute" – das rührt doch wohl an einer fragwürdigen Vermenschlichung – in so manches Forellenwasser eindringt.
Wenige Zeilen später erfährt man allerdings, daß der Hecht, um in einem Lebensjahr 1 kg zuzunehmen (mittelgrosse Hechte vom 3. bis 5. Lebensjahr/Fließwasser) lediglich einer Nahrungsaufnahme von 4 bis 8 kg bedarf.

(Anm.: Ohne die Fisch- und Vogellobbyisten unangemessen konfrontieren zu wollen: Einen derartigen Nahrungsverbrauch hat ein (1) Kormoran nachgewiesenermaßen in etwa 14 Tagen.)

Das scheint doch wohl – würde man einmal die menschliche Fähigkeit des Kopfrechnens auf wenige Sekunden strapazieren – die schreckliche Gier des Hechtes zweifelsfrei zu relativieren.
Zur Verdeutlichung geben wir eine kleine, private Statistik, die auf Hechtfängen in Gewässern der Äschenregion
basiert (es handelt sich um Gewässer, die einen stattlichen Bestand an Klein- und Weißfischen aufweisen):
42 entnommene Hechte, davon 34 mit leerem Magensack; die restlichen 8 enthielten: 3 x bis zu vier Koppen, 1 x angedaute Schleie, 1 x Barsch, 2 x bis zu 8 "Signalkrebse", 1 x Karpfenfisch (Gräten) + einen Signalkrebs – keine Forellen, keine Äschen (!)


(Wichtige Anm.: Wenn ein sechspfündiger Hecht so fressen würde, wie er 'aussieht' - das bildet ja das billige Vorurteil - , nämlich drei 250 g-Fische pro Tag, dann würde er nach einem Jahr 30 kg wiegen und wäre auch schon tot, da er das durchschnittliche Höchstgewicht
bereits überschritten hat (!).)
Auch Thomas Wölfle berichtet in einem in den frühen 90er Jahren veröffentlichtem Aufsatz (FliegenFischen), daß er beim Streamerfischen in einem Salmonidengewässer – einem Nebenfluß der Isar – mehrere ca. vierpfündige Hechte gefangen und entnommen hat, deren Magensäcke ausschließlich Koppen enthielten.
Auf der Basis dieser Befunde mag vielleicht so mancher Pächter oder Fischereiverein erwägen, die Fischereiberechtigten zu einer kurzen Notiz des Mageninhalts großer Raubfische und hier besonders des Hechts (im Fangbuch) zu bewegen. Eine solche Statistik könnte Impulse geben, die Fangbeschränkungen (des Hechts) – zumal in Gewässern der Salmonidenregion – einer ständigen Revision und gegebenenfalls einer adäquaten Korrektur
unterwerfen.[…, s. PDF-Datei]

Neues "Handlandegerät" für den pirschenden Fliegen- und Spinnfischer
[…, s. PDF-Datei]

Anhang: Spekulationen über das Beißverhalten der Forelle und Äsche
[…, s. PDF-Datei]

Schlußbemerkungen
Dieser Essay entstand Anfang des Jahres 2004 und wurde sofort an alle großen, deutschen Angelmagazine geschickt; die Resonanz: Skepsis, Spöttelei, Ablehnung.
Der Tenor (sinngemäß): "Lieber Herr Fliedner, engagieren Sie einen promovierten Fischereibiologen wenigstens ein halbes Jahr lang für ein monatliches Honorar von 3000,– EURO, der Ihre Beobachtung 'wissenschaftlich' absichert, dann veröffentlichen wir Ihren Artikel für ein Honorar von 200,– EURO" (sic!).
Ob dieser bescheidenen Resonanz machen Sie – lieber Angler und Leser – bitte Gebrauch vom
Über Ihre Meinung, über Ihre Beobachtung und Erfahrung würde ich mich freuen.
Vielleicht helfen diese ja, daß der Essay doch noch in einem Fachmagazin veröffentlicht wird.
(Alternative zum Gästebuch: Email an den Verfasser)



Der Hecht ist ein 'Rechtshänder'
Essay zum Beißverhalten und
Nahrungsverhalten des Hechts
von Hans-Jürgen Fliedner, Coburg

Hinweis: Diese HTML-Seite gibt Ihnen eine KURZFASSUNG des Essays; den vollständigen Text - mit Abbildungen und Skizzen - können Sie als PDF-Datei (0,4 MB) herunterladen.
Text in Englisch

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